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Lieber Lukas Häuptli, |
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ich bin enttäuscht, dass so wenige meiner Aussagen Ihnen gegenüber von Ihnen zitiert werden. Hier noch einmal meine Kernaussagen:
Bazon Brock sagt:
- „Ich habe von den Ausgetretenen nicht erfahren können, was sie mir vorwerfen. Niemand von ihnen hat bei mir nachgefragt. Was also werfen sie mir vor? Dass ich ein Neonazi sei oder sonst ein Idiot? Das wäre im Hinblick auf meine Arbeit schon deshalb falsch, weil mich dieselben Leute ja erst vor kurzem in den PEN-Club aufgenommen haben auf Grund meiner Arbeit. Übrigens hat niemand von den Ausgetretenen, soweit ich weiß, bei dem Antrittsvortrag oder sonst bei irgendeiner meiner Veranstaltungen jemals teilgenommen. Da ist zu vermuten, dass auch keiner von ihnen meine zahlreichen Veröffentlichungen als Bücher, als Ausstellungen, als action teachings, als Fernsehsendungen, als Lehrveranstaltung zur Kenntnis genommen hat. Also Gerüchteverbreitung? Mit denunziatorischer Absicht?“
- „Ich habe keinen Begriffssalat anrichten wollen, sondern mich auf den Sachverhalt „Gleichschaltung“ in den 30er Jahren bezogen. Das kann nur diejenigen empören, die die heutigen Gleichschaltungsdiktate nicht interessieren, weil sie behaupten wollen, dass Schlimmeres als in den 30er Jahren gar nicht mehr passieren könne (von den 40er Jahren habe ich nicht gesprochen). Wer TV-Berichte über Mister Fuld, Boss der Lehman Brothers, gesehen hat, kann nicht bestreiten, dass Fuld Goebbeleske Auslöschungsfantasien systematisch entwickelte und seine Mitarbeiter aufforderte, ihm bei dieser Vernichtung der Gegner zu helfen. Der heutige Radikalfundamentalismus erreicht jedenfalls den der 30er Jahre ohne weiteres. Das ist in jeder Hinsicht mit Goebbelschen Praktiken vergleichbar, zumal Fuld die Vernichtungsdrohungen als Lehrvideo mehrfach für seine Mitarbeiter produzieren ließ. Die ethnisch-rassisch motivierten Kulturkämpfe in aller Welt sind mindestens so blutig wie die der 30er Jahre. Die Arroganz der Kapital- und Marktideologen schaltet die Architekturen von Vorstädten weltweit völlig gleich. Das Diktat der Unterhaltungsindustrie bis in die Restaurants und Arztpraxen ist unerbittlich. Wieso soll da der Verweis auf die Gleichschaltung verboten sein? Offensichtlich möchte man die Nazi-Zeit als den ultimativen Schrecken verstehen, damit man dergleichen in der Gegenwart oder Zukunft nicht mehr zu erwarten braucht.“
- „Es gibt einen Furor des situativen Sprechens. Entscheidend ist aber nicht der Buchstaben dieses Sprechens, sondern der Geist, die Haltung, die Absicht dahinter. Man wirft mir den Buchstaben vor und verkennt den Geist meiner fünfzigjährigen Tätigkeit. Wer meine Arbeit kennt, kann mir nicht Verharmlosung der Nazizeit vorwerfen, da ich die Jahrzehnte über ausdrücklich gegen die Wiederkehr des Faschismus, Totalitarismus und Fundamentalismus angetreten bin. Wir wuchsen auf mit der Forderung „Wehret den Anfängen!“, denn genau das hatte das Bürgertum in den 30er Jahren sträflich unterlassen.“
- „Ich will niemanden provozieren. Alles, was ich sage und schreibe, kommt aus der Sache.“
- „Die hinter der Globalisierung stehenden Kräfte haben die Universitäten gleichgeschaltet. Das Warburg-Institut überstand sogar im Zwangsexil die Nazi-Zeit. Jetzt ist es erledigt, wurde gerade offiziell mitgeteilt. Universitäten sind heute auf Markteffizienz getrimmte Anhängsel der Wirtschaft. Sie sind Wirtschaftsbetriebe, weit entfernt von der Humboldt'schen Bildungskonzeption. Professoren wurden zu bloßen Funktionären der Informationswirtschaft abgewirtschaftet.“
- „Die deutsche Regierung verabschiedete in den letzten Jahren immer wieder Haushalte, welche die Verschuldungskriterien verletzten. Auf diese Weise verstiess die deutsche Regierung in den letzten Jahren immer wieder ganz offen gegen die Verfassung. Entsprechende Festlegungen in Maastricht-Verträgen werden der Politopportunität geopfert. Die Bundesregierung machte sich triumphierend zum Hehler und forderte damit zu weiterer Kriminalität als staatsfördernd auf.“
- „In unserer Gesellschaft hält schleichend ein Alltagstotalitarismus, ein Alltagsfaschismus, eine Gleichschaltung Einzug. Resultat der Totalitarisierung der Gesellschaft ist die Eliminierung des Politischen zu Gunsten der wirtschaftlichen Macht und die Auslöschung der Lebenschancen zukünftiger Generationen mit dem Mutwillen heutiger Masters of the Universe.“
- „Es gibt zahllose Beispiele für die Gleichschaltung der heutigen Gesellschaft. Nehmen Sie nur die milliardenschweren Rettungspakete der Staaten für die Banken: Die Notwendigkeit dieser Rettungspakete mit der logischen Absurdität der Systemrelevanz hinterfragt längst niemand mehr. Nehmen Sie die Gleichschaltung durch das Internet: Heute ist das Internet der Grosse Führer. Fast täglich wird einem zugemutet, im kommerziellen Interesse Musikbeschallungen zu akzeptieren. Von der wöchentlichen Enteignung öffentlichen Grunds für privatkapitalistische Konsumlustbarkeiten, um Bier und Würstchen loszuschlagen, ganz zu schweigen. Merken die Redakteure öffentlich-rechtlicher Fernsehanstalten schon gar nicht mehr, dass die Fratze der Feiermassen gerade angesichts der 30er Jahre-Massenveranstaltungen als Bedrohung empfunden werden müssen?“
- „Die schleichende Totalitarisierung des Alltags gab es auch in der deutschen Gesellschaft der dreissiger Jahre. Deshalb sind Vergleiche angebracht, deshalb sind Vergleiche wichtig.“
- „Mich kränkt, wenn ich von gegnerischen Argumenten nichts lernen kann, sondern zur Unterwerfung unter Dogmen gezwungen werden soll.“
Mit besten Grüßen
Bazon Brock
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